reihe8-Konzert
Donnerstag, 8. November 2007, 19:30 Uhr
Christuskirche Dormagen
Liederabend "Glaube - Hoffnung - Liebe"
Falko Hönisch, Darmstadt (Bariton)
Christian Stähr (Klavier)
Johannes Brahms (1833-1897):
Sechs Lieder op. 86
1. Therese
2. Feldeinsamkeit
3. Nachtwandler
4. Über die Heide
5. Versunken
6. Todessehnsucht
Gustav Mahler (1860-1911):
"Lieder eines fahrenden Gesellen"
1. Wenn mein Schatz Hochzeit macht
2. Ging heut morgen übers Feld
3. Ich hab ein glühend Messer
4. Die zwei blauen Augen
- ca. 10 Minuten Pause -
Johannes Brahms:
Vier ernste Gesänge op. 121
1. Denn es gehet dem Menschen
2. Ich wandte mich
3. O Tod, wie bitter bist du
4. Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete
* * *
Falko Hönisch
(*1977) studierte in Stuttgart, Karlsruhe und Lübeck Opern-, Konzert- und Liedgesang bei Konrad Richter, Julia Hamari und Roland Hermann. Sein erstes Engagement hatte er 2004 am Landestheater Eisenach. 2005 wechselte er ans Staatstheater Kassel. In der Saison 2007/08 singt er am Staatstheater Darmstadt.
Er erhielt mehrere Preise und Stipendien, u. a. des Deutschen Musikrats und des Bundespräsidenten.
Christian Stähr
stammt aus Norddeutschland, wo er auch ab dem 16. Lebensjahr erste Erfahrungen als Kirchenmusiker sammelte. Ab 1997 studierte er zunächst Kirchenmusik (B) und Instrumentalpädagogik, anschließend Kirchenmusik (A) und Historische Tasteninstrumente an der Musikhochschule Stuttgart. Neben seinem Studium und Konzerten in Deutschland und europäischen Ländern arbeitete Christian Stähr auch immer wieder als Pädagoge und Dozent (Deutsche SchülerAkademien; Kirchenmusikalische Fortbildungsstätte Schlüchtern). Seit Mai 2006 ist Christian Stähr Kantor und Organist an der Christuskirche Dormagen.
* * *
Johannes Brahms (1833-1897): Sechs Lieder op. 86
1. Therese
Du milchjunger Knabe, wie schaust du mich an?
Was haben deine Augen für eine Frage getan!
Alle Ratsherrn in der Stadt und alle Weisen der Welt
Bleiben stumm auf die Frage, die deine Augen gestellt!
Eine Meermuschel liegt auf dem Schrank meiner Bas'
Da halte dein Ohr d'ran, dann hörst du etwas!
Gottfried Keller (1819-1890)
2. Feldeinsamkeit
Ich ruhe still im hohen grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.
Die schönen weißen Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau, wie schöne stille Träume;
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin
Und ziehe selig mit durch ew'ge Räume.
Hermann Allmers (1821-1902)
3. Nachtwandler
Störe nicht den leisen Schlummer
Dess, den lind ein Traum umfangen!
Laß ihm seinen süßen Kummer!
Ihm sein schmerzliches Verlangen!
Sorgen und Gefahren drohen,
Aber keine wird ihn schrecken,
Kommst du nicht, den Schlafesfrohen
Durch ein hartes Wort zu wecken.
Still in seinen Traum versunken,
Geht er über Abgrundtiefen,
wie vom Licht des Vollmonds trunken,
Weh' den Lippen, die ihn riefen!
Max Kalbeck (1850-1921)
4. Über die Heide
Über die Heide hallet mein Schritt;
Dumpf aus der Erde wandert es mit.
Herbst ist gekommen, Frühling ist weit, -
Gab es denn einmal selige Zeit?
Brauende Nebel geisten umher,
Schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.
Wär' ich nur hier nicht gegangen im Mai!
Leben und Liebe - wie flog es vorbei!
Theodor Storm (1817-1888)
5. Versunken
Es brausen der Liebe Wogen
Und schäumen mir um das Herz;
Zwei tiefe Augen zogen
Mich mächtig niederwärts.
Mich lockte der Nixen Gemunkel,
Die wunderliebliche Mär,
Als ob die Erde dunkel
Und leuchtend die Tiefe wär'!
Als würde die seligste Ferne
Dort unten reizende Näh',
Als könnt' ich des Himmels Sterne
Dort greifen in blauer See.
Nun brausen und schäumen die Wogen
Und hüllen mich allwärts ein,
Es schimmert in Regenbogen
Die Welt von ferne herein.
Felix Schumann (1854-1879)
6. Todessehnen
Ach, wer nimmt von meiner Seele
Die geheime, schwere Last,
Die, je mehr ich sie verhehle,
Immer mächtiger mich faßt?
Möchtest du nur endlich brechen,
Mein gequältes, banges Herz!
Findest hier mit deinen Schwächen,
Deiner Liebe, nichts als Schmerz.
Dort nur wirst du ganz genesen,
Wo der Sehnsucht nichts mehr fehlt,
Wo das schwesterliche Wesen
Deinem Wesen sich vermählt.
Hör' es, Vater in der Höhe,
Aus der Fremde fleht dein Kind:
Gib', daß er mich bald umwehe,
Deines Todes Lebenswind.
Daß er zu dem Stern mich hebe,
Wo man keine Trennung kennt,
Wo die Geistersprache Leben
Mit der Liebe Namen nennt.
Gottlob Ferdinand Maximilian Gottfried von Schenkendorf (1783-1817)
Gustav Mahler (1860-1911): Lieder eines fahrenden Gesellen
Textautor unbekannt, möglicherweise Gustav Mahler
1.
Wenn mein Schatz Hochzeit macht,
Fröhliche Hochzeit macht,
Hab' ich meinen traurigen Tag!
Geh' ich in mein Kämmerlein,
Dunkles Kämmerlein,
Weine, wein' um meinen Schatz,
Um meinen lieben Schatz!
Blümlein blau! Verdorre nicht!
Vöglein süß! Du singst auf grüner Heide.
Ach, wie ist die Welt so schön!
Ziküth! Ziküth!
Singet nicht! Blühet nicht!
Lenz ist ja vorbei!
Alles Singen ist nun aus.
Des Abends, wenn ich schlafen geh',
Denk' ich an mein Leide.
An mein Leide!
2.
Ging heut morgen übers Feld,
Tau noch auf den Gräsern hing;
Sprach zu mir der lust'ge Fink:
"Ei du! Gelt? Guten Morgen! Ei gelt?
Du! Wird's nicht eine schöne Welt?
Zink! Zink! Schön und flink!
Wie mir doch die Welt gefällt!"
Auch die Glockenblum' am Feld
Hat mir lustig, guter Ding',
Mit den Glöckchen, klinge, kling,
Ihren Morgengruß geschellt:
"Wird's nicht eine schöne Welt?
Kling, kling! Schönes Ding!
Wie mir doch die Welt gefällt! Heia!"
Und da fing im Sonnenschein
Gleich die Welt zu funkeln an;
Alles Ton und Farbe gewann
Im Sonnenschein!
Blum' und Vogel, groß und klein!
"Guten Tag, ist's nicht eine schöne Welt?
Ei du, gelt? Schöne Welt?"
Nun fängt auch mein Glück wohl an?
Nein, nein, das ich mein',
Mir nimmer blühen kann!
3.
Ich hab' ein glühend Messer,
Ein Messer in meiner Brust,
O weh! Das schneid't so tief
In jede Freud' und jede Lust.
Ach, was ist das für ein böser Gast!
Nimmer hält er Ruh', nimmer hält er Rast,
Nicht bei Tag, noch bei Nacht, wenn ich schlief.
O Weh!
Wenn ich in dem Himmel seh',
Seh' ich zwei blaue Augen stehn.
O Weh! Wenn ich im gelben Felde geh',
Seh' ich von fern das blonde Haar
Im Winde wehn.
O Weh!
Wenn ich aus dem Traum auffahr'
Und höre klingen ihr silbern' Lachen,
O Weh!
Ich wollt', ich läg auf der schwarzen Bahr',
Könnt' nimmer die Augen aufmachen!
4.
Die zwei blauen Augen von meinem Schatz,
Die haben mich in die weite Welt geschickt.
Da mußt ich Abschied nehmen vom allerliebsten Platz!
O Augen blau, warum habt ihr mich angeblickt?
Nun hab' ich ewig Leid und Grämen.
Ich bin ausgegangen in stiller Nacht
Wohl über die dunkle Heide.
Hat mir niemand Ade gesagt.
Ade! Mein Gesell' war Lieb' und Leide!
Auf der Straße steht ein Lindenbaum,
Da hab' ich zum ersten Mal im Schlaf geruht!
Unter dem Lindenbaum,
Der hat seine Blüten über mich geschneit,
Da wußt' ich nicht, wie das Leben tut,
War alles, alles wieder gut!
Alles! Alles, Lieb und Leid
Und Welt und Traum!
Johannes Brahms: Vier ernste Gesänge op. 121
1.
Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh;
wie dies stirbt, so stirbt er auch;
und haben alle einerlei Odem;
und der Mensch hat nichts mehr denn das Vieh:
denn es ist alles eitel.
Es fährt alles an einem Ort;
es ist alles von Staub gemacht,
und wird wieder zu Staub.
Wer weiß, ob der Geist des Menschen aufwärts fahre,
und der Odem des Viehes unterwärts unter die Erde fahre?
Darum sahe ich, daß nichts bessers ist,
denn daß der Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit,
denn das ist sein Teil.
Denn wer will ihn dahin bringen,
daß er sehe, was nach ihm geschehen wird?
Salomo (Prediger) 3
2.
Ich wandte mich und sahe an
Alle, die Unrecht leiden unter der Sonne;
Und siehe, da waren Tränen derer,
Die Unrecht litten und hatten keinen Tröster;
Und die ihnen Unrecht täten, waren zu mächtig,
Daß sie keinen Tröster haben konnten.
Da lobte ich die Toten,
Die schon gestorben waren
Mehr als die Lebendigen,
Die noch das Leben hatten;
Und der noch nicht ist,
Ist besser, als alle beide,
Und des Bösen nicht inne wird,
Das unter der Sonne geschieht.
Salomo (Prediger) 4
3.
O Tod, wie bitter bist du,
Wenn an dich gedenket ein Mensch,
Der gute Tage und genug hat
Und ohne Sorge lebet;
Und dem es wohl geht in allen Dingen
Und noch wohl essen mag!
O Tod, wie bitter bist du.
O Tod, wie wohl tust du dem Dürftigen,
Der da schwach und alt ist,
Der in allen Sorgen steckt,
Und nichts Bessers zu hoffen,
Noch zu erwarten hat!
O Tod, wie wohl tust du!
Jesus Sirach 41
4.
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete,
Und hätte der Liebe nicht,
So wär' ich ein tönend Erz,
Oder eine klingende Schelle.
Und wenn ich weissagen könnte,
Und wüßte alle Geheimnisse
Und alle Erkenntnis,
Und hätte allen Glauben, also
Daß ich Berge versetzte,
Und hätte der Liebe nicht,
So wäre ich nichts.
Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe,
Und ließe meinen Leib brennen,
Und hätte der Liebe nicht,
So wäre mir's nichts nütze.
Wir sehen jetzt durch einen Spiegel
In einem dunkeln Worte;
Dann aber von Angesicht zu Angesichte.
Jetzt erkenne ich's stückweise,
Dann aber werd ich's erkennen,
Gleich wie ich erkennet bin.
Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe,
Diese drei;
Aber die Liebe ist die größeste unter ihnen.
1. Brief an die Korinther 13

















