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08.11.2009 Requiem für einen polnischen Jungen

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Am 8. November kommt ein besonderes Werk in der Christuskirche zur Aufführung: Das „Requiem für einen polnischen Jungen″ von Dietrich Lohff für Knabensopran, Mezzosopran, Chor und Kammerorchester. Die darin vertonten Texte stammen von Verfolgten und Opfern des Nationalsozialismus.


Das „Requiem für einen polnischen Jungen″ gehört zu den wenigen Werken zeitgenössischer Komponisten, die nicht nach der Uraufführung in Vergessenheit gefallen sind – im Gegenteil: mit insgesamt über 60 Aufführungen seit 1998 scheint es immer bekannter zu werden. Wie kann es dazu kommen?

Zum einen ist es die Thematik: es werden nicht die Gräuel des Nationalsozialismus als Fakten und Zahlen vorgepredigt, sondern Gedichte von Verfolgten zum Klingen gebracht. Für die Aufführenden wächst im Proben und Aufführen eine intensive Beziehung, und dies ergibt für die Zuhörenden eine hohe Authentizität. Im Moment der Aufführung werden die Texte zur Wirklichkeit und lassen uns die Distanz von über 60 Jahren überspringen.

Das „Requiem″ kreist mit Texten aus Sicht einer Mutter und aus Sicht eines Kindes um eine ganz besondere Beziehung: der zwischen Mutter und Kind. Diese starke und doch verletzliche Keimzelle von menschlicher Zivilisation steht jenseits von politischen Debatten und ist so elementar, daß sie jedem einen individuellen Zugang ermöglicht.

Nicht zuletzt ist es die Musik selbst, die gehört und aufgeführt werden will. Beim Hören kommen Erinnerungen an Carl Orff (die Verwendung von vielfältigen Schlaginstrumenten und einem gefühlten Rhythmus) und Gustav Mahler (die mitunter melancholisch-schöne Melodik und Harmonik) auf. Da Lohff jedoch eine eigene Klangsprache entwickelt hat, biedert sich die Musik nicht an, sondern vermag den „Durchschnittshörer″ abzuholen. Selten ist die Musik laut – sie will nicht selbst im Mittelpunkt stehen, sondern den Texten eine Brücke in unser Empfinden bereiten.


Die Dormagener Kantorei hat sich in den letzten Monaten mit dem Stück auseinandergesetzt. Dabei wurden nicht nur die Noten, sondern auch der Inhalt zum Klingen gebracht. Wir laden Sie herzlich ein, bei der Aufführung am 8. November daran teilzuhaben.

Ein Einführungsgespräch am Freitag, 6. November mit dem Komponisten Dietrich Lohff, der auch bei der Aufführung dabeisein wird, ist sicher nicht notwendig, um die Musik zu „verstehen″ - aber eine spannende Gelegenheit, in die Werkstatt eines Komponisten hineinzusehen.