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08.12.2008 "Magnificat" - Chor- und Orgelmusik zum Advent

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Das nächste Konzert der "reihe 8" am Montag, 8. Dezember, 19:30 Uhr in der Christuskirche ist adventlich gestimmt: Es erklingt Chor- und Orgelmusik zum Lobgesang der Maria, dem Magnificat. Die Dormagener Kantorei und Christian Stähr (Orgel und Leitung) führen Kompositionen aus vier Jahrhunderten auf. Der biblische Text, den Maria in Erwartung der Geburt singt, umfaßt soziale Kritik und Gottvertrauen, Lob und Hoffnung. Genauso vielfältig ist auch die Bandbreite der erklingende Musik: Zwischen prägnanter Umsetzung des Inhalts und meditativer Stimmung, von gottesdienstliche einsetzbarer Musik bis zur Verwendung als ein Symbol für Lobgesang spannt sich der hörbare Bogen

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Franz Liszt
(1811-1886)

Einleitung, Fuge und Magnificat aus der Symphonie zu Dantes "Divina Comedia"

Psalmodie des Magnificat im IX. Ton (mit Antiphon)

Johann Sebastian Bach
(1685-1750)

"Meine Seele erhebt den Herren"
Fuge über das Magnificat (BWV 733)

Johann Kaspar Kerll
(1627-1693)

Magnificat primi toni (1686)

Heinrich Schütz
(1585-1672)

Magnificat aus "Zwölf Geistliche Gesänge" (1657, op. 13/7, SWV 426)

Louis-Nicolas Clérambault
(1676-1749)

Suite du deuxième ton

Plein jeu
Duo
Trio
Basse de cromorne
Flûtes
Recit de nazard
Caprice sur les grands jeux

Arvo Pärt
(*1935)

Magnificat (1989)

Dormagener Kantorei
Christian Stähr (Orgel, Leitung)

Notizen zum Programm
Die berühmte Dichtung „Divina Comedia” („Göttliche Komödie”) des italienischen Renaissance-Dichters Dante Alighieri besteht aus den Teilen Inferno (Hölle), Purgatorio (Fegefeuer) und Paradiso. Als Franz Liszt seine "Symphonie zu Dantes Divina Comedia" 1856 fertigstellte, verzichtete er auf Rat Richard Wagners, dem das Werk gewidmet ist, auf die Vertonung des Paradieses und setzte ein Magnificat an die Stelle. Ein Frauen- oder Kinderchor singt dann in lateinischer Sprache allerdings nur den Anfangsvers aus dem Lobgesang der Maria und beschließt den Gesang mit einem fortwährenden „Halleluja, Hosianna”. Der Magnificat-Teil ist also nicht liturgisch zu verstehen, sondern als Beispiel für den Jubelgesang.

Die Bearbeitung für Orgel entstand einige Jahre später und beginnt erst mit dem zweiten Satz (Purgatorio). In der Einleitung hebt die Musik zu Klage und Gebet an, bricht aber immer wieder ab und kommt zu keiner Entwicklung. Erst mit dem Beginn der Fuge (mit seufzendem Thema) gewinnt das Werk Kontur. Aus der Klage entwickelt sich mit Kraft und Schwung das Magnificat.

Der Text des Magnificat gehört zum täglichen Abendgebet, zum Vespergottesdienst, wie es auch heute in Klöstern, Gemeinschaften und manchmal in einer Ortsgemeinde praktiziert wird. In seiner schlichtesten Form wird es psalmodiert, also als eine Art Sprechgesang praktiziert. In der Psalmodie singen sich zwei Gruppen die Verse abwechselnd zu.
Die Fuge Johann Sebastian Bachs nimmt ein solches Melodiemodell (den sog. 9. Psalmton) auf.

Zur Erhöhung der Feierlichkeit und musikalischen Abwechslung wurde eine der psalmodierenden Gruppen durch die Orgel ersetzt, die also bestimmte Textteile übernimmt und musikalisch ausdrückt. (Im 17. Jahrhundert wurden allerdings auch eine Unmenge kleiner Stückchen für diese Zwecke geschrieben, die sich zwar tonartlich auf die Psalmodie beziehen, allerdings keinen Bezug zum Text erkennen lassen.) Dieses Verfahren konnte vor allem deshalb funktionieren, weil der Text des Magnificat jedem Gottesdienstteilnehmer geläufig war - auch die Orgel-Verse waren daher „unausgesprochen” mit Inhalt gefüllt.

Die Versette des süddeutschen Komponisten Johann Kaspar Kerll lassen sich sehr gut mit dem Inhalt der Verse in Verbindung bringen, die die Orgelmusik „vertritt”. Der Umfang der Miniaturen macht die Nähe zum Gottesdienst hörbar - sie dauern kaum länger als ein psalmodierter Vers.

Die Orgel-Suiten der klassischen französischen Epoche sind zunächst einmal „absolute”, also liturgisch unabhängige Musik. Allerdings wurden die Suiten wahrscheinlich nicht nur in Konzerten eingesetzt, sondern auch in Gottesdiensten, indem man die einzelnen Sätze als Versetten für das Magnificat einsetzte, dann von gregorianischem Gesang unterbrochen. Eine sehr ökonomische Art des Komponierens (und Aufführens), die den konzertanten wie den liturgischen Bedarf gleichzeitig bedient... Heute erklingt die Suite von Louis-Nicolas Clérambault ohne Gregorianik, aber man kann sich natürlich das Magnificat als Hintergrund vorstellen.